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Bruno Taut

Bruno Julius Florian Taut c Stadtarchiv Magdeburg

Bruno Taut und die „Bunte Stadt Magdeburg“

Die Magdeburger Bildungsbürger waren schockiert: Überall in ihrer ehrwürdigen Stadt, der Stadt Kaiser Ottos des Großen, erstrahlten Häuser in den buntesten Farben. Das war das Werk Bruno Tauts, des berühmten Architekten und Designers, der als Verfechter der Gartenstadt-Bewegung deutschlandweit einen guten Ruf hatte. 1921 hatte ihn der sozialdemokratische Bürgermeister Hermann Beims zum Stadtbaurat in Magdeburg berufen. In der aufstrebenden Industriemetropole wurden die Wohnungen knapp, und die Gartenstadt-Idee schien genau die richtige Lösung für das Problem zu sein. „Große Architektur für kleine Leute“ wollte Taut schaffen, aber sie musste farbig sein. „Alles, was auf der Welt ist, muss irgendeine Farbe haben“, meinte Taut. Dabei war es nicht nur die Ästhetik, die ihn bewegte, es ging ihm vor allem auch darum „den Bewohnern der scheußlichsten Mietskasernen, der traurigsten Hinterhöfe immer noch ein bescheidenes Stückchen Lebensfreude zu bringen.“

Zusammen mit seinen Mitarbeitern, zu denen auch die kongenialen Architekten Johannes Göderitz und Carl Krayl gehörten, stellte Taut einen Generalsiedlungsplan für Magdeburg auf. Der Aufbruch in die Moderne, der mit der Errichtung vielfältiger Siedlungsbauten einherging, brachte Magdeburg bald den Ruf als „Stadt des neuen Bauwillens“ ein. Mit viel Engagement setzte Taut schließlich auch seine architektonische Farbgebung durch, gegen die Kritik, die schließlich leiser wurde, als sich das farbige Magdeburg zu einem Gütesiegel entwickelte. Der Titel „Bunte Stadt Magdeburg“ wurde zu einem erfolgreichen Werbefaktor für die Stadt.

Die Siedlungen, die in den 1920er Jahren entstanden, prägen noch heute das Stadtbild Magdeburgs. Sie wurden denkmalgerecht instandgesetzt. Originalanstriche mussten freigelegt, ursprüngliche Strukturen analysiert, historische Fenster- und Türformen rekonstruiert werden. Schaut man sich zum Beispiel die von Taut entworfene Gartenstadt-Kolonie Reform oder die Wohnsiedlung in der Otto-Richter-Straße an, für deren Farbgebung Taut und Krayl verantwortlich waren, wird man sehen, dass sich der Aufwand gelohnt hat. „Ich mache mir etwas aus Magdeburg“, sagte Taut im Juni 1922 in einem Vortrag im Bürgersaal des Rathauses. Und so ist es auch sein Verdienst, dass es heute in Deutschland kaum eine andere Stadt gibt, in der der Aufbruch in die Moderne so deutlich ablesbar wäre wie in Magdeburg.

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