Sachsen-Anhalt - Reiseland vom Harz bis zur Elbe
Menü anzeigen
Suche
Buchungshotlines
Infotelefon für Individualreisende
0391-568 99 80
Mo–Do: 09:00–17:00 Uhr / Fr: 09:00–16:00 Uhr

Stadt Nienburg (Saale)

Zeitreise durch die Grafschaft Anhalt mit der „Askania“

Nienburg ist eine der Etappen auf der „Zeitreise durch die Grafschaft der Askania“, zu der Thomas Kirchhoff einlädt.

Ablegen zu einer Tour ins Mittelalter

Man schreibt das Jahr 1134. Abt Arnold kam erst vor kurzem nach Nienburg. Der Benediktiner tritt aus dem Portal der romanischen Klosterkirche, geht ein paar Schritte um das Gemäuer herum und schaut hinab ins Tal der Saale. Die liebliche Landschaft gefällt ihm, die Hügel, der Fluss, auf dem Boote entlanggleiten. Noch über 30 Jahre bleiben ihm auf dieser Welt. Die nutzt er auch als penibler Chronist und notiert, was in und außerhalb der Klostermauern geschieht. Unter seiner Feder entsteht die Chronik des Annalista Saxo.     

Man schreibt das Jahr 2015. In der Saalestadt Merseburg wird das 1000-jährige Jubiläum der Grundsteinlegung des Kaiserdomes gefeiert. Der in der Geschichts(szenen)schreibung erfahrene Thomas Kirchhoff und seine Mitstreiter besteigen das hölzerne Boot mit dem Schriftzug „Askania“ am Bug. Sie fungieren als Botschafter der Sonderausstellung und reisen – gewandet als Bischof Thietmar und seine Begleiter – nach Magdeburg. Wo sie anlegen, präsentieren sie dem Publikum unter dem Titel „Die heilige Lanze“ Szenen der Ottonischen Chronik. So werden sie es weitermachen bis 2021, wenn die tausendjährige Wiederkehr der Weihe des Domes gefeiert wird. 2016 steht das Spektakel unter dem Titel „Die Getreuen des Bischofs“. Neu in der Besatzung werden zwei junge Männer aus Eritrea sein, die derzeit im Rahmen eines Integrationsprojektes von Kirchhoff unterrichtet werden. Sie spielen Sarazenen, die nachweislich als Leibgardist der Kaiserin und als Fernhändler am Hofe lebten.

Wenn man das Jahr 2017 schreibt, wird die „Zeitreise durch die Grafschaft Anhalt“ aber nicht mehr nur eine Inszenierung für Zuschauer sein, sondern an manchen Terminen auch ein buchbares Paket. Zur Mitreise eingeladen ist dann nicht nur das Team um Thomas Kirchhoff, der diesmal den Abt Arnold gibt, sondern jeder Geschichtsinteressierte. An Haltepunkten in Wettin, Alsleben und Nienburg  nimmt die „Askania“ ihre Zeitreisenden auf. Am Start ihres viertägigen Abenteuers legen die das 21. Jahrhundert ab; lassen ihre Jeans und Armbanduhren und möglichst auch ihre Hast zurück. „Nein, ich bin kein Fundamentalist in Sachen Authentizität“, beruhigt Kirchhoff. „Meine Gäste sollen sich wohlfühlen und wer beispielsweise zum Festhalten seiner Erinnerungen das Handy braucht, der benutzt es eben. Und auch das Essen wird nicht ungekühlt und frei aller neuzeitlichen Zutaten bereitet. Aber einlassen sollte man sich schon auf das Mittelalter. Ein paar der jeweils zwölf Mitreisenden bekommen namentlich festgelegte Rollen auferlegt, die anderen zumindest ihren Stand. Natürlich muss keiner lange Texte lernen, aber gewöhnliche Touristen, denen ohne ihr Zutun etwas präsentiert wird, sind sie auch nicht – alle sind Akteure eines Spiels.“ Jeden Abend macht die Besatzung der Askania an einem der Haltepunkte fest und bezieht die vorbereitete Burgwarde. Dort sorgen eine Magd und ein Knecht dafür, dass es den Reisenden an nichts mangelt. Gelöffelt wird aus tönernen Schüsseln, beleuchtet mit Fackeln, geschlafen in historischen Zelten - geduscht aber in modernen Behausungen.  

Mit diesem Projekt bewerben sich Thomas Kirchhoff und die Stadt Nienburg um den Tourismuspreis Sachsen-Anhalt. Dass gerade Nienburg und der Visionär Kirchhoff zusammenfanden, ist kein Zufall und liegt nicht allein darin begründet, dass der Lehrer in Nienburg einen Teil seiner Kindheit verbrachte. „Wir haben gute Erfahrungen mit historischen Veranstaltungen“, erzählt Monika Gäbe aus der Stadtverwaltung. „Und wir haben viel zu zeigen: die Klosterkirche oder das Abtshaus (Doppelkapelle St. Nikolaus) zum Beispiel.“

Ab 2018 will Thomas Kirchhoff mit seinem Projekt auch wirtschaftlich auf eigenen Füßen stehen. Er glaubt an sein ausgefeiltes Konzept und an die anhaltende Begeisterung seiner Partner, die er in Rathäusern, Museen und Tourismusbüros gefunden hat, unter Wissenschaftlern, Gastwirten und Veranstaltungsagenturen, unter Wassersportlern, Heimatvereinen und nicht zuletzt unter Historien-Darstellern. Auch die ersten Geschäftsleute ließen sich anstecken. Meister Pralow von der Bernburger Bäckerei Latsch formte Brote mit dem Thietmar-Signet, das auch den Ring des Abtes ziert. Aus dem Weinbauerndorf Höhnstedt kommt der passende Rebensaft. Und in so manchem Kleiderschrank hängen historische Gewänder.

Was nicht heißt, dass Kirchhoff keine offenen Wünsche mehr hat: „Eine Arbeitsgruppe zur Wiederbelebung des Nienburger Klosters gibt es ja schon, aber noch stehen da viele Fragezeichen. Hier und da könnte ich mir einen mittelalterlichen Anlegeplatz vorstellen. Und ich hätte auch nichts dagegen, wenn andere Projekte bei uns andocken würden, Baudenkmale aus der Romanik, Verleiher von anderen historischen Fahrzeugen oder Veranstalter von Festen. Trittbrettfahrer gibt es für mich nicht, nur Partner.“        

Autorin + Fotos: Marlis Heinz

Kontakt

IMG – Investitions- und Marketing­gesellschaft Sachsen-Anhalt mbH

Am Alten Theater 6
39104 Magdeburg

Tel.: +49 (0) 391 568 99 80
Fax: +49 (0) 391 568 99 51

tourismus@img-sachsen-anhalt.de

Information

Individualreisende:

0391-568 99 80 

Reiseveranstalter:

0391-568 99 81

Mo–Do: 09:00–17:00 Uhr / Fr: 09:00–16:00 Uhr

Rote große Buchstaben D und B, rot umrandet: Das Logo der Deutschen Bahn