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Künstlerstadt Kalbe e.V.

Sommercampus

- Corinna Köbele, Initiatorin der „Künstlerstadt Kalbe e.V.“, zeigt eine Spiegelsäule, die von den Künstlern Christoph Goerke und Leonhard Korbus im Wintercampus 2015 aufgestellt wurde.

Corinna Köbele: „In der Leere steckt die Fülle – man muss sie nur entdecken“

Corinna Köbele kann das Glück kaum fassen. Dieses Glück hat Mauern aus roten Backsteinen; hat Keller und Dachböden, die gerade entrümpelt werden. Die alten Treppen, Türen, Holzdielen und Fenster sind reparaturbedürftig. Stallungen gehören zum Anwesen und eine Scheune, deren Toreinfahrt mit einer Brücke verbunden ist. „Stadt der 100 Brücken“ wird Kalbe an der Milde genannt. Die zierliche Frau steht da und schwärmt. Vor ihrem inneren Auge existieren schon die Bilder von der Nutzung dieses größten Bauernhofes im Ort.

Vor ein paar Monaten konnte der Verein „Künstlerstadt Kalbe“ dieses Gehöft erwerben. Es soll ein Treffpunkt für Kunststudenten aus aller Welt sein. Sie können hier arbeiten, wohnen und gesellig beisammen sein. Das dazu Notwendigste wird zuvor (her)gerichtet. Mehr nicht. „Der Hof soll Stück für Stück von seinen Nutzern verändert werden“, wünscht sich Corinna Köbele, Initiatorin der „Künstlerstadt Kalbe“.

Ihrer eigenen Liebe zur Veränderung nachgehend war die studierte Psychotherapeutin vor 21 Jahren nach Kalbe gekommen. Die Median-Klinik stand kurz vor der Eröffnung, und der Chefarzt bot ihre eine Stelle an. Er hatte ihre international aufsehenerregende Forschungsarbeit über „Spontanremissionen tumorerkrankter Menschen“ gelesen. Die damals um die 30-Jährige war in der Nähe von Frankfurt am Main zu Hause. Sie erzählt von ihrer Ankunft in Kalbe und von ihrem Blick für das Wesentliche, der sich auch von einem grauen Februartag nicht verstellen ließ. „Im Vergleich zum Leben in westlichen Ballungszentren sah ich sofort: Hier ist viel Raum zum Gestalten“, sagt sie und dass sie geblieben ist, „weil Kalbe tolle Strukturen hat.“ Zu denen zählt sie das ländliche Leben „ohne überflüssigen Schnullikram“ und die Bodenständigkeit der Altmärker. Wenn sie allerdings die leer stehenden Häuser als „Luxus“ bezeichnete, erntete sie zunächst ungläubige Blicke. „Ich betrachte die Leere nicht als Abwesenheit von etwas, sondern als Zustand, der zum Ausgestalten auffordert“, sagt Corinna Köbele wohlwissend, dass es von solchen Orten nicht mehr so viele gibt. „Es schafft eine gewinnbringende Ruhe, wenn man sich auf das Wesentliche konzentrieren kann“, sagt sie und meint die Begegnung des Menschen mit dem Menschen. Noch konkreter: Die Begegnung mit Künstlern. Diese Wesen liegen ihr nahe, weil sie selber auch malt, singt, schreibt.

„Als die Stiftung ,Zukunft Altmark‘ zur Ideenfindung aufrief was die Lebensgestaltung auf dem Lande betrifft, hatten wir sofort eine Vision: die ,Künstlerstadt Kalbe‘“, erzählt Corinna Köbele. Wenn sie von „wir“ spricht, dann war das zunächst ein imaginäres wir. Aber sie war sich sicher: „Ich finde Gleichgesinnte, die ebenso überzeugt sind, dass wir hier etwas haben, was der Kunst gut tut.“

Corinna Köbele stöberte die Besitzer leer stehender Häuser auf; konnte einige von ihrem Nutzungskonzept für sogenannte „Residenzstipendiaten“ überzeugen. Dann schrieb sie weltweit Universitäten und Kunsthochschulen an in dem Wissen, dass tatsächlich gefragt ist, was Kalbe an „Luxus“ zu bieten hat. Erste Kalbenser halfen ihr, die seit vielen Jahren leer stehenden Räume zu putzen. 2013 gründete sich der Verein „Künstlerstadt Kalbe“ in einer gemeinsamen neuen Begeisterung für den Heimatort. Nach Vorbildern wie Gmünd in Kärnten, Worpswede oder Ahrenshoop sollen sich hier für die Einheimischen wie auch für die jungen Kunststudenten Welten öffnen zum gegenseitigen Kennenlernen.

Zum inzwischen vierten Sommercampus kommen die Studierenden verschiedenster Kunstrichtungen in diesem Jahr. Insgesamt 180 fanden seit 2013 den Weg aus Brasilien, Australien, Portugal, Island, China, Kasachstan, Südkorea, aus der Ukraine und auch aus Deutschland in die altmärkische Kleinstadt. Fernab vom Konkurrenzdruck sei hier ein Austausch darüber möglich, „wie man Kunst macht“, sagt Corinna Köbele und betont gleichsam die Aufgeschlossenheit der Kalbenser. Die übernehmen Patenschaften, führen gesellige Begegnungen herbei und entdecken dabei auch für sich neue Sichtweisen.

Diese Art „Hausbesetzung durch Künstler“ würde auch zur Entwicklung im ländlichen Raum beitragen, suchte deren Initiatorin schon vor Jahren, den Stadtrat zu überzeugen. Sie sieht sich bestätigt: Die Räume mit besonderer Ausstrahlung zogen öffentliche Aufmerksamkeit auf sich – und sind zum Großteil wieder vermietet. „Das weinende Auge des Vereins war schnell getrocknet angesichts der Türen, die sich im alten Bauernhof öffnen“, sagt Corinna Köbele. „Ich bin so gespannt, wie das hier weiter geht ...“ – ein paar Tage später steht es in der Lokalzeitung: „Wo Wandel ist, entstehen neue Freiräume“, nach diesem Motto fördert die Robert Bosch Stiftung im Wettbewerb „Neulandgewinner“ unkonventionelles Bürgerengagement. Die Bewerbung der „Künstlerstadt Kalbe“ war erfolgreich.

Corinna Köbele hat indessen wieder neue, verändernde Ideen im Kopf: „Wir müssen unser Projekt von einer Hochschule wissenschaftlich begleiten lassen, um herauszufinden, welchen Einfluss es tatsächlich auf die Regionalentwicklung hat. Auch, um daraus ableitend Arbeitsplatz-Modelle zu entwickeln.“ Als großen leeren Raum für eine Ideenwerkstatt hat sie die alte „Trabi-Bude“ im wahren Wortsinne von ihrem Balkon aus im Blick.

Autorin + Fotos: Kathrain Graubaum

Weitere Informationen unter http://kuenstlerstadt-kalbe.de/

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