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Stiftung Kloster Jerichow

Barrierefreier Klostergarten Jerichow

Die Außenanlagen vom Kloster Jerichow sind so gestaltet, dass auf den Zwischenwegen Rollstühle fahren können.

Kulturerlebnis für alle Sinne – und für jedermann

Wir sitzen auf einer Bank dicht an der Klostermauer, die wirft kühlenden Schatten an diesem heißen Sommertag. Einige Besucher sind bei dieser schwülen Witterung froh, dass es im Kloster Jerichow einen Fahrstuhl gibt. Innen drin müssen etliche Stufen und Treppen zur Überwindung von Höhenunterschieden genommen werden. Ein Rollstuhlfahrer und seine Eltern möchten sich das Kloster-Museum anschauen. Die Gärtnerin, eben saß sie noch auf ihrem Rasenmähertraktor, legt die Rampen über die Eingangsstufen. Eine breite Glastür öffnet sich automatisch. „Wenn uns aus dem Informationszentrum signalisiert wird, dass ein Besucher mit Behinderung eingetroffen ist, kommt immer jemand aus unserem sensibilisiertem Mitarbeiterteam zur Hilfestellung“, sagt Jan Wißgott, Leiter der Stiftungsverwaltung.

Er hat hier, in einem der ältesten Backsteinbauten Norddeutschlands, die demografische Entwicklung der Bevölkerung direkt vor Augen. Viele geistig agile und kulturell interessierte Menschen im Ruhestand wollen dieses von Prämonstratensern erbaute Kloster im Elbe-Havel-Winkel erkunden; auch „erfahren“ im wahren Wortsinne. Ein Rollstuhl steht ausleihbereit. „Wer eine motorische Einschränkung hat, soll weitestgehend nicht benachteiligt sein“, sagt Wißgott – ein Mann in mittlerem Alter, groß, sportlich und empathisch. Er weiß: „Auch kurzzeitige, vorübergehende Behinderungen können jedem von uns vor Augen führen, dass man sich mancherorts nicht uneingeschränkt bewegen kann.“ Er deutet auf eine steinerne Fußkante in der Tür zum Kreuzgang. Wenn es die nicht gäbe, hat er bei einem Sturzregen neulich erlebt, würde drinnen alles voller Wasser laufen. Allerdings sei die Kante auch für Gehbehinderte eine Barriere. Sie lasse sich aber mittels Schwellengummis schnell nehmen.

Nicht an allen Stellen in diesem Kulturdenkmal ist es so einfach, bauliche Hindernisse mittels Rampen, schiefer Ebenen, Aufzug oder Automatiktüren zu überwinden. Wohl jeder Besucher, auch der mit einer Behinderung, kommt hierher ins Kloster, um den historischen Ort zu atmen; um sich von den über 800 Jahre alten Mauern Geschichte(n) erzählen zu lassen. Zum Beispiel die, dass die roten Backsteine aus den heimischen Tonvorkommen und sogar hier vor Ort gebrannt wurden. Oder die, warum große romanische Bögen zugemauert wurden – im Stil der Gotik und noch einmal in der Renaissance-Zeit. „Im 12., 13. Jahrhundert wurde das Klima kälter“, erzählt Jan Wißgott, „da hat man zugesehen, dass alle Öffnungen nach draußen so klein wie möglich waren.“ Zu klein manchmal für einen Rollstuhl.

Es erfordere eine sensible Betrachtung, inwieweit ein Denkmal verändert werden könne, ohne dass es sein Esprit, seinen Individualismus verliere, sagt Wißgott und dass die Stiftung Kloster Jerichow Vorreiter in den Überlegungen sein will, inwieweit Kompromisse gefunden werden können. „Wir haben Ideen gesucht und gefunden, die letztlich allen Besuchern zugutekommen, die sich hier in der Klosteranlage bewegen.“

Blinde Gäste können keine Schrifttafeln lesen. Aber auch sehende Besucher mögen keine ellenlangen Texte. Sie wünschen sich ein Museums-Erlebnis für alle Sinne. Für den Tastsinn zum Beispiel. Neben den Fingerfühlschildern in Brailleschrift gibt es Modelle von Kloster und Dorfkirche, Stoffe, gar das Schlagwerk einer alten Turmuhr zu ertasten, um Fantasien von der Umgebung, in der man sich befindet, aufzubauen.

Nicht erst seit Gründung der Stiftung Kloster Jerichow 2004 wird die Anlage schrittweise saniert und umgebaut. Doch mit der Nutzbarmachung für die Bevölkerung und der Einrichtung einer touristischen Infrastruktur sei es für die Stiftungsmitglieder ein Selbstverständnis gewesen, auch Barrierefreiheit zu schaffen – so weit das möglich ist, betont der Verwaltungsleiter und verweist auf die bewusste Zusammenarbeit mit Architekten und Bauingenieuren, die Erfahrungen auf diesem Gebiet haben.

Mehr Gestaltungsfreiheit gibt es im Außenbereich der Anlage, wo Scheunen und Ställe abgerissen wurden – Zeugen aus DDR-Jahren, in denen das landwirtschaftliche Volksgut hier ansässig war. Auch eine alte Alkoholbrennerei stand hier noch bis vor ein paar Jahren.
Die neu errichteten Gärten sind stufenfrei zu erfahren. Im Braillegarten wachsen die Kräuter in ergonomischer Höhe, beschriftet mit Fingerfühlschildern. Auch in der roten Backsteinwüste, im Paradies- und Industriegarten, im Irrgarten und Bauerngarten ist das Riechen, Tasten, Fühlen möglich – ebenso das Schmecken im Obstgarten oder im Kräutergarten-Café. Dort werden Gerichte und Kuchen aus den hier angebauten Kräutern, Obst- und Gemüsesorten angeboten. Im Kräutergarten von Kloster Jerichow sind Hochbeete angelegt. Vorbeigehenden steigt der würzige Duft direkt in die Nase.

Inzwischen ist die Familie mit dem Rollstuhlfahrer hier angekommen. Bequem kommt sie mit dem Gefährt im neu gestalteten Sitzbereich zwischen den Tischen hindurch. „Es sind viele kleine Projekte, die für mehr Zufriedenheit unserer Besucher sorgen“, sagt Jan Wißgott und dass der Ideenschmiede von Kloster Jerichow die Vorreiter-Gedanken gewiss nicht ausgehen.

Autorin + Fotos: Kathrain Graubaum

Weitere Informationen unter www.kloster-jerichow.de/

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