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Heidelberger Bilderhandschrift des Sachsenspiegels, fol 1v (c) Universitätsbibliothek Heidelberg

„Faszination Stadt“ in Magdeburg erleben

Ausschnitt aus dem „Weistum“ der Magdeburger Schöffen und Ratmannen für Herzog Heinrich III. und die Bürger von Breslau. Darin teilten die Magdeburger die Grundzüge ihres Rechts. (Magdeburg und Breslau, 1261/1283; Wrocław, Archiwum Państwowe)

Die Urbanisierung Europas im Mittelalter und das Magdeburger Recht

Vom 1. September an zeigt das Kulturhistorische Museum Magdeburg eine neue Sonderausstellung. Unter dem Titel „Faszination Stadt – Die Urbanisierung Europas im Mittelalter und das Magdeburger Recht“ widmet sich das Museum erstmals dem Magdeburger Recht, das für hunderte Städte Ostmitteleuropas zum Vorbild wurde. Von Lettland bis Ungarn, Polen bis in die Ukraine wurden Städte mit Rechten nach Magdeburger Vorbild gegründet oder neugegründet. Dazu zählen Metropoloen wie Kiew, Krakau und Buda genauso wie kleinere Orte. Ihnen gemeinsam ist, dass in der Selbstdarstellung dieser Städte die sogenannte „Bewidmung“ mit dem Magdeburger Recht als Anfangspunkt der Stadtgeschichte, mindestens aber als einen Schlüsselmoment, anzusehen ist.

Magdeburg als Ursprung einer europaweiten Rechtstradition? Was sich für manchen merkwürdig anhört, ist in Ostmitteleuropa fast jedem Kind bekannt. Sechs Jahre lang hat Museumsdirektorin Gabriele Köster die Ausstellung geplant und immer wieder die Erfahrung gemacht, dass die Kolleginnen und Kollegen in den Orten des Magdeburger Rechts zwei Dinge damit verbinden: die kommunale Selbstverwaltung und die Orientierung zu Westeuropa – ganz gleich ob die Orte in Polen, dem Baltikum oder der Ukraine liegen. Über 400 hochkarätige Exponate von Leihgebern aus 12 Ländern decken die unterschiedlichen Bereiche der Ausstellung ab. „Es ist wie eine Mischung aus Umzug und Weihnachten“, beschreibt Christina Link, die Kuratorin der Ausstellung, die hektischen Tage vor der Eröffnung der Schau. „Viele Exponate kennt man nur von Bildern und dann geht die Kiste auf und sie sind da“, erzählt sie mit hörbarer Begeisterung.

Informationen

„Faszination Stadt“

Ort:
Kulturhistorisches Museum
Otto-von-Guericke-Str. 68 – 73
39104 Magdeburg

Dauer:
1. September bis 2. Februar 2020
täglich 10 Uhr bis 18 Uhr

Eintritt:
15 Euro, ermäßigt 12 Euro
Audioguide (deutsch/englisch) 5 Euro
Kinderaudioguide 3 Euro

Weitere Informationen auf der Website zur Ausstellung

Die Thorner Passionstafel zeigt in 22 Szenen die Leidens- und Auferstehungsgeschichte Jesu.
Nördliche Niederlande, um 1480–1490.
Öl auf Eichenholz. H 221 cm, B 270 cm
(Thorn/Toruń, Kościół i Parafia świętego Jakuba w Toruniu)

Seit dem Mittelalter nahm die Gründung von Städten in Europa rasant zu. Städtische Siedlungen wuchsen und entwickelten durch ihr Versprechen von Freiheit, Sicherheit und Wohlstand große Anziehungskraft. Die Ausstellung zeigt die Innovationskraft der mittelalterlichen Städte. Diese waren Zentren von Handel und Gewerbe, Kultur und Wissenschaft, von technologischem und gesellschaftlichem Fortschritt. Auf mehr als 1200 Quadratmetern verteilen sich die Objekte aus den großen Metropolen Mittel- und Osteuropas wie Krakau, Danzig oder Prag: kostbare Gemälde und Skulpturen, wertvolle Handschriften, bedeutende Dokumente und seltene archäologische Fundstücke.

Das Magdeburger Recht

Von Leipzig bis Kiew, von Vilnius bis Hermannstadt übernahmen Städte das Magdeburger Recht. Diese internationale Dimension bildet den geographischen Rahmen der Schau. „Das Magdeburger Recht ist eine der wichtigsten Wurzeln Sachsen-Anhalts, aber auch Europas“, schätzt Staatsminister Rainer Robra die europäische Dimension des Stadtrechts der Elbestadt ein. Es fand eine außerordentliche Verbreitung und prägte das Leben in mehr als 1000 Orten zwischen Elbe und Dnjepr. Meist wurde es an die örtlichen Gegebenheiten angepasst und weiterentwickelt. Die Freiheit der Bürger, die Selbstverwaltung und das Recht, Angelegenheiten nach eigenen Bedürfnissen zu regeln, wurden Grundlage für die Blüte der Städte.

Stadtplan der Stadt Nippur (Südirak), um 1400 v. Chr.
Tontafel, Beischriften in Keilschrift. H 21,5 cm, B 17 cm
Vorderasiatischer Altertümer, HS 197
Jena, Friedrich-Schiller-Universität, Hilprecht-Sammlung
Tontafel mit Ritzungen und Keilschrift, der älteste Stadtplan der Welt

Der Sachsenspiegel

Einen besonderen Höhepunkt der Sonderausstellung bildet die Zusammenführung der einzigen vier Bilderhandschriften des berühmtesten Rechtsbuchs des Mittelalters: des Sachsenspiegels. Zum ersten Mal seit mehr als 25 Jahren werden diese an einem Ort zusammen gezeigt, ein ganz besonderes Ereignis. Objekte dieser Qualität und Seltenheit benötigen einen besonders umsichtigen Umgang. Aus konservatorischen Gründen können diese einzigartigen Beispiele der mittelalterlichen Buchkunst daher nicht die gesamte Ausstellungsdauer gezeigt werden. So ist der Sachsenspiegel aus Oldenburg nur bis zum 14.10.2019 und der Sachsenspiegel aus Heidelberg bis zum 6.11.2019 im Original in Magdeburg zu sehen. Die Exemplare aus Wolfenbüttel und Dresden werden bis zum 17.11.2019 präsentiert. Anschließend werden sie durch hochwertige Faksimile ersetzt.

Das älteste Exponat stammt allerdings nicht aus dem Umkreis des Magdeburger Rechts, sondern ist noch einmal fast 2500 Jahre älter: Auf einer Tontafel aus Nippur findet sich der älteste Stadtplan der Welt, mit Beschriftungen in Keilschrift. Es handelt sich um eine erstaunlich genaue Wiedergabe  der antiken Stadt im Maßstab 1:9200. Mit diesem Exponat wird die mittelalterliche Stadtentwicklung eingeordnet in das historische Gesamtphänomen „Stadt“.

Korrespondenzorte und Museumspädagogik

Die Magdeburger Ausstellung findet allerdings nicht nur im Kulturhistorischen Museum statt, sondern hat Korrespondenzorte im ganzen Land Sachsen-Anhalt. So etwa in Salzwedel, wo das Salzwedeler Recht das Magdeburgische mit Einflüssen aus Lübeck und Lüneburg zusammenbringt, oder Reppichau, das den Bezug zwischen dem Sachsenspiegel und dessen vermutlichem Autor, Eike von Repgow, herstellt. Andere Korrespondenzorte sind Haldensleben, die Burg Falkenstein, Halle/Saale, Aken, Zerbst, Tangermünde, Stendal und Burg bei Magdeburg.

Neben der Ausstellung veranstaltet das Kulturhistorische Museum ein vielfältiges Begleitprogramm, das von Vorträgen und Kulturveranstaltungen bis hin zu individuellen Führungen reicht. Passend zur Ausstellung können Schulklassen in der mitellalterlichen Spielstadt „Megedeborch“ bis Oktober in die Welt des Mittelalters eintauchen und so das Leben in einer Stadt Magdeburger Rechts selbst entdecken.

Kontakt

IMG – Investitions- und Marketing­gesellschaft Sachsen-Anhalt mbH

Am Alten Theater 6
39104 Magdeburg

Tel.: +49 (0) 391 568 99 80
Fax: +49 (0) 391 568 99 51

tourismus@img-sachsen-anhalt.de

Information

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