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Gertrud Arndt

Kreativ, um die Zeit totzuschlagen – wie das Bauhaus das Selfie erfand

Gertrud Arndt als Wegbereiterin des fotografischen Selbstporträts

Man sieht sie überall – meist junge Leute, einzeln oder in Gruppen, die ein Smartphone an ihrem ausgestreckten Arm halten und hineinlächeln. Und sogar die Kanzlerin hat sie von sich machen lassen, zusammen mit Flüchtlingen in Berlin. Die Rede ist – natürlich – von Selfies. Doch wer meint, dass diese Art der Selbstinszenierung eine moderne Erscheinung ist, der täuscht. Denn erfunden wurde das Selfie bereits Anfang der 1930er Jahre von einer Bauhäuslerin. Nur nannte man es damals Selbstporträt.

Gertrud Arndt hatte am Bauhaus zunächst in Weimar, dann in Dessau eine Ausbildung als Weberin absolviert. Doch nach Erhalt ihres Gesellenbriefes beschäftigte sie sich nie wieder mit der Weberei, obwohl sie bereits mit einem blau-gelb-karierten Wollteppich von sich reden gemacht hatte: Ihr vielgezeigter „Teppich 2“ zierte das Arbeitszimmer des Bauhaus-Direktors Walter Gropius. Ihr Interesse galt fortan der Fotografie, die sie während ihres gesamten Studiums autodidaktisch weiter ausgebaut hatte. Sie heiratete den Architekten und Bauhaus-Lehrer Alfred Arndt, zog mit ihm in eines der Meisterhäuser in Dessau – und langweilte sich. Um „die Zeit totzuschlagen“, wie sie später einmal bekannte, begann sie, eine Reihe von 43 „Maskenporträts“ von sich selbst zu machen.

Geschmückt mit Spitzenschleiern, fantasievollen Hüten und Umhängen schlüpfte Gertrud Arndt nacheinander in die Rollen des naiven Mädchens, der Femme Fatale, der Grand Dame oder der exaltierten Clownin. Mal schlug sie ihre Augen verschämt nieder, mal waren sie halb geschlossen, mal aufgerissen, mal blickte sie lasziv und sinnlich in die Kamera, mal distinguiert. „Was ist man? Vielleicht hat man immer eine Maske. Irgendwo hat man immer einen Ausdruck, den man haben will. Das könnte man doch Maske nennen, oder?“, antworte Gertrud Arndt einmal auf die Frage, ob sie sich mit den Fotos selbst inszenieren oder Klischees hätte bedienen wollen.

In den 1980er Jahren wurde Gertrud Arndt als Fotografin wiederentdeckt und mit Zeitgenossinnen wie Marta Astfalck-Vietz und Claude Cahun verglichen. Heute fehlen ihre „Maskenporträts“ in kaum einem Band zur Fotografie der Weimarer Republik. Sie gilt als Vorläuferin der großen Verkleidungskünstlerinnen Cindy Sherman und Sophie Calle, die sich ebenfalls stets selbst aufnehmen, und als Wegbereiterin des fotografischen Selbstporträts, das man heute Selfie nennt.

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