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Friedl Dicker-Brandeis

„Eine Kraft der Freiheit“

Friedl Dicker-Brandeis, Prag, fotografiert von Hannes Beckmann
Foto: Bauhaus-Archiv Berlin

Friedl Dicker-Brandeis – Zeichen- und Malunterricht für die Kinder von Theresienstadt

„Es war mir sehr wichtig zu wissen, dass es sie gab, dass sie lebte, eine Kraft der Freiheit. Ihre Art zu unterrichten – darin lag etwas, was uns für Augenblicke ein Gefühl der Unbeschwertheit gab.“ So erinnert sich Helga Pollak-Kinsky, die als Kind im Mädchenheim des Ghetto-Lagers Theresienstadt lebte, in ihrem Tagebuch an die Zeichen- und Malstunden der Bauhaus-Künstlerin und Kunstpädagogin Friedl Dicker-Brandeis.

Die Künstlerin, 1898 in Wien in ein bürgerlich-jüdisches Elternhaus geboren, war eine der erfolgreichsten Schülerinnen des Bauhauses. Als einzige Studentin erhielt sie 1921 ein Stipendium und übernahm bereits während ihres Studiums zeitweilig Lehraufgaben. Wie sehr die Bauhaus-Meister sie geschätzt haben müssen, zeigen Empfehlungsschreiben an die Stadt Wien. Die Stadt hatte die junge Frau 1931 eingeladen, Kurse für Kindergärtnerinnen zu geben. So schrieb der Begründer und Direktor des Bauhauses, Walter Gropius: „Die Vielseitigkeit ihrer Begabung und ihre große Energie hatten zur Folge, dass ihre Leistungen und Arbeiten zu den allerbesten des Institutes gehörten.“

Auch das künstlerische Schaffen von Dicker-Brandeis war sehr vielseitig: Sie schuf Bühnenbilder und -kostüme, erdachte Puppen und Spiele, baute Möbel und entwarf Schmuck. Ihre große Leidenschaft aber galt dem Malen. Zeitlebens nutzte sie die Malerei und ihre kunstpädagogischen Kenntnisse dazu, die künstlerischen Fähigkeiten von Kindern zu fördern. Als sie 1942 ins Ghetto-Lager Theresienstadt deportiert wurde, setzte sie ihre Arbeit, trotz Unterrichtsverbots, in den dortigen Kinderheimen fort.

„Dieses Leben hat mich von tausend Toden losgekauft mit dem Malen“, schrieb Friedl Dicker-Brandeis 1938. Mit dem Malen hatte sie in Theresienstadt zwar nicht das Leben der Kinder retten können – von den etwa 10.000 inhaftierten Kindern lebten zum Zeitpunkt der Befreiung dort nur noch 1.633 –, aber es doch geschafft, sie für einige Stunden am Tag in eine andere, bessere Welt zu entführen, jenseits von Hunger, Krankheiten, Seuchen, Tod und vor allem der Angst vor den „Transporten nach Osten“. Viele der Bilder sind deshalb überraschend heiter, zumeist stellten die Kinder ihr früheres Leben dar, ihr geliebtes Zuhause, ihre Familien und die ihnen vertrauten Landschaften.

Friedl Dicker-Brandeis selbst wurde am 9. Oktober 1944 in Auschwitz-Birkenau ermordet. Ein Jahr später wurden in Theresienstadt zwei Koffer gefunden, randvoll mit Kinderzeichnungen gefüllt. Die Bauhaus-Künstlerin hatte sie versteckt. Der größte Teil dieser Bilder gehört heute zur Sammlung des Jüdischen Museums in Prag.

 

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