


IMG - Investitions- und Marketinggesellschaft
des Landes Sachsen-Anhalt mbH
Am Alten Theater 6
39104 Magdeburg
T: +49 391/562-83-820
F: +49 391/562-83-811
tourismus@img-sachsen-anhalt.de
Die Himmelsscheibe von Nebra gilt als einer der bedeutendsten archäologischen Funde unserer Zeit, wie Ötzi oder das Grab des Pharao Tut-ench-Amun. Mit 3.600 Jahren ist sie die älteste konkrete Sternenabbildung der Welt.
Die Raubgräber, die Himmelsscheibe und Schwerter nachts auf dem Mittelberg fanden, hielten die Scheibe zunächst für einen alten Eimerdeckel
Seit Raubgräber die Scheibe 1999 auf dem Mittelberg bei Nebra entdeckten, ist sie um die ganze Welt gereist. Der 3.600 Jahre alte astronomische Kalender ist dauerhaft im Landesmuseum für Vorgeschichte zu sehen und komplettiert damit die touristische Erlebnisroute Himmelswege.
Vermutlich als „Gabe an die Götter“ wurde die Himmelsscheibe zusammen mit zwei wertvollen Schwertern, zwei Beilen, zwei Armspiralen und einem Meißel auf dem Gipfel des Mittelberges bei Nebra (Burgenlandkreis) vergraben. Als sie Raubgräber 1999 in aller Heimlichkeit ausgruben, brachten sie damit einen Wissensspeicher unserer bronzezeitlichen Vorfahren wieder ans Tageslicht, die damals noch keine Schrift kannten und ihre Weltsicht in Gold und Bronze auf der Scheibe verewigten.
Die zwei Kilogramm schwere, aus einem Stück gegossene Bronzescheibe ist fast kreisrund und hat einen Durchmesser zwischen 31 und 32 Zentimetern. Deutlich sind ein Schiff als mythisches Element in seiner Fahrt über den Himmelsozean, Sonne, Mond, Sterne und - als Ansammlung von sieben Goldpunkten - der Sternenhaufen der Plejaden, die in vielen alten Kulturen als Kalendersterne gelten, weil sie im Lauf eines Jahres genau einmal auf- und untergehen, zu erkennen. Am Rand der Scheibe sind zwei Horizontbögen aufgebracht, ein dritter wurde vor der Niederlegung der Scheibe vermutlich abgerissen. Die dünnen Bleche wurden mit einem Hammer in die Vertiefungen getrieben. Für die Archäologen steht heute fest, dass sich die bronzezeitlichen Menschen die Erde bereits als flache Scheibe vorstellten, die von einem Himmel kuppelförmig überwölbt wird. Sie hatten erstaunliches astronomisches Wissen und Kontakte nach ganz Europa und darüber hinaus.
Die Scheibe diente sehr wahrscheinlich dazu, die Abweichungen zwischen Mondkalender und Sonnenjahr in Einklang zu bringen, wozu die frühen Astronomen Kalenderregeln aus dem Zweistromland (Babylon) nutzten. Der astronomische Hintergrund: Das zur Jahreszeitenbestimmung genutzte Sonnenjahr dauert 365 Tage. Der Mondkalender, der zur Gliederung dieses Jahres diente, hat dagegen nur 354 Tage. Die Lösung: Ungefähr alle drei Jahre musste ein „Schaltmonat“ eingefügt werden.
Von mächtigen Fürsten geschmiedet
Die Archäologen gehen davon aus, dass die Scheibe einst von mächtigen Fürsten geschmiedet wurde. In der frühen Bronzezeit, etwa 2200 bis 1600 vor Christi, waren Mitteldeutschland und die Region des heutigen Sachsen-Anhalt eines der wirtschaftlichen und geistigen Zentren im vorgeschichtlichen Europa. Zum ersten Mal bildete sich hier eine stark hierarchische Gesellschaft, wie auf diese Zeit datierte Fürstengräber in Leubingen oder Helmsdorf (Sachsen-Anhalt) belegen. An den Fürstenhöfen beherrschte man auch die Technik der Tauschierung, mit der die Himmelskörper aus Goldblech auf der Scheibe angebracht wurden. Die Archäologen gehen davon aus, dass die Scheibe zwischen 100 und 400 Jahre in Gebrauch war und wissen, dass sich ihr Inhalt und ihre religiöse Bedeutung mehrmals verändert haben.
Das auf ihr verewigte Wissen kannten auch die Erbauer des Steinkreises von Stonehenge oder des mit 7.000 Jahren viel älteren Sonnenobservatoriums von Goseck. In vorgeschichtlicher Zeit baute man Anlagen, um Visierlinien zu astronomischen Phänomenen zu erhalten. So ist die große Allee in Stonehenge auf die Sommersonnenwende am 21. Juni ausgerichtet, die Tore des Gosecker Observatoriums sind auf die Wintersonnenwende am 21. Dezember ausgerichtet. Auch auf dem Mittelberg gibt es so eine Visierlinie, ein natürliches Observatorium. Von hier beobachteten die frühen Menschen jeweils am 21. Juni den Untergang der Sonne hinter dem rund 80 Kilometer entfernten Brocken und konnten so unter anderem Saat- und Erntetermine bestimmen.
Die Frage um die Echtheit der Scheibe, die immer wieder Anlass zu heftigen Diskussionen gab, ist mittlerweile geklärt. Die Zusammensetzung der Metalle in der Scheibe ist typisch bronzezeitlich. Die Patina ist eine grobkörnige Malachit-Patina, die man nicht fälschen kann und in der Korrosion wurden Bodenhaftungen vom Mittelberg gefunden.
Wie bedeutend ihr Fund vom Mittelberg ist, wussten die Raubgräber 1999 nicht gleich und hielten die Himmelsscheibe zunächst für einen alten Eimerdeckel und dann für den Teil eines Schildes, da sie auch die Schwerter entdeckten. Sie waren eigentlich auf den Berg gegangen, um nach militärischen Stücken zu suchen.
zurück