Auf fast vergessenen Wegen der Jakobspilger
und 370 Kilometer führt der Jakobus-Pilgerweg durch Sachsen-Anhalt. Im Norden des Landes verbindet eine zweite Route die alten Handelsstädte Magdeburg, Wanzleben, Hadmersleben, Huysburg, Halberstadt und Osterwiek mit dem niedersächsichen Goslar.

Beide Wege schließen eine Lücke im Netz der europäischen Pilgerpfade auf dem Weg von Polen und Skandinavien nach Santiago de Compostela. Sachsen-Anhalt ist so gleich an zwei französische Jakobsstraßen angeschlossen: die Straße von Vézelay in Burgund und die Straße von Le Puy in Südfrankreich.
Die Jakobspilgerroute im Norden von Sachsen-Anhalt verbindet die alten Handelstädte Magdeburg, Halberstadt und im weiteren Verlauf Goslar, Paderborn, Köln und Bonn miteinander. In Sachsen-Anhalt werden eindrucksvolle Landschaften wie die nördliche Magdeburger Börde und der Harzrand durchwandert. Unterwegs geht es durch bekannte Bördeorte wie Wanzleben, Hadmersleben, Huysburg, und Osterwiek. Spuren der Jakobspilger finden Wanderer unter anderen im Dom zu Magdeburg, wo der heilige Jakobus eindrucksvoll an einem Pfeiler dargestellt ist. In Halberstadt stehen sich die romanische Liebfrauenkirche aus dem 12. Jahrhundert und der gotische Dom St. Stephanus gegenüber. Vor dem Dom werden die Halberstädter den ankommenden Pilgern schon damals den Teufelsstein am Haupteingang gezeigt haben, der der Sage nach von dem beim Bau helfenden Teufel hinabgeschleudert worden sein soll, als dieser bemerkte, dass das Gebäude ein Gotteshaus wurde.
Der Domschatz, der heute wegen seiner zahlreichen Reliquien und Kunstgegenstände und vor allem wegen seiner vielen byzantinischen Werke als eine der reichsten Sammlungen sakraler Kunst gilt, zog immer schon viele Pilger an. Halberstadt ist eine von vier Domschatzstädten in Sachsen-Anhalt. An vielen Stellen begegnen die Pilger noch heute ihrem Apostel Jakobus, der sie aufmuntert weiter zu gehen. So zum Beispiel auf einem Apostelteppich aus dem Jahre 1170 oder im nördlichen Chor des Halberstädter Domes, wo eine Pfeilerfigur des Pilgerheiligen steht.
Auch in der Liebfrauenkirche finden Pilger eindrucksvolle Zeugnisse sakraler Kunst: In einer der sieben Arkaden der spätromanischen Chorschrankenfiguren von 1205 ist Maria mit den Aposteln dargestellt, der heilige Jakobus hat einen Ehrenplatz, gleich neben ihr. Der Pilgerweg verlässt Halberstadt im Norden in Richtung des traditionsreichen Klosters Huy (Huysburg). Nicht nur auf dem Pilgerweg davor, auch im Kloster selbst lebt die Pilgertradition wieder auf, Unterkünfte für Pilger werden angeboten.
Das Kloster und die Pilgerorte sind auch Bauwerke an der Straße der Romanik, die in Form einer Acht durch Sachsen-Anhalt verläuft und mehr als 80 Zeugnisse romanischer Baukunst miteinander verbindet. Unterwegs lohnen sich auch Abstecher in viele traumhaft schöne Parks und Gärten, wahre Gartenträume, die Oasen der Ruhe für Pilger sind. Darunter der Magdeburger Klosterbergegarten, die Grusonschen Gewächshäuser, der Elbauenpark und der Stadtpark Rotehorn in der Elbestadt oder der Landschaftspark Spiegelsberge in Halberstadt.
Die nördliche Jakobusweg-Route ist auf der großen Karte der Jakobuswege in Deutschland eingezeichnet.
Beschrieben hat die Pilgerroute auch der Wanderbuchautor Walter Töpner: Sein Buch "Wege der Jakobspilger" (Band 1) - Magdeburger Börde, Harz, Solling, Sauerland, Rheinland, ist vom Paulinus Verlag unter der ISBN 3-7902-1316-0 für 19,90 € erhältlich.
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